Der Bremedia Januar


Der Bremedia Januar

Die Bremedia Produktionen im Januar

Das Jahr 2021 star­tet am Sonn­tag, den 17.01 mit einer geschichts­träch­ti­gen Doku­men­tion aus dem Hause Bre­me­dia um 22:30 auf ARTE. „Das Boot – Welt­erfolg aus der Tiefe“,  wird erzählt von Sven Fem­er­ling und Georg Grill.

Eine U‑Boot‐Besatzung wird zum legen­dä­ren Stab des erfolg­reichs­ten deut­schen Films aller Zei­ten. Doch er stand unter kei­nem guten Stern. Vom Streit über das Dreh­buch, zu Unfäl­len am Set, bis hin zum Vor­wurf der Kriegs­ver­herr­li­chung – immer wie­der steht das Pro­jekt vor dem Aus. Die Doku­men­ta­tion zeigt unver­öf­fent­lichte Inter­views mit Stars und Machern des Films und fragt: Wie konnte trotz aller Wid­rig­kei­ten so ein Mythos entstehen?

Ein Film über das Schick­sal einer deut­schen U‑Boot‐Besatzung im Jahr 1941 wird 36 Jahre nach Ende des zwei­ten Welt­kriegs 1981 zum Welt­erfolg. Mil­lio­nen von Kino­gän­gern auf der gan­zen Welt machen DAS BOOT zum inter­na­tio­nal erfolg­reichs­ten deut­schen Film aller Zeiten.
1983 erhält er die Nomi­nie­rung zum Oscar. 1985 erzielt die TV‐Fassung Ein­schalt­re­korde (bis zu 20 Mil­lio­nen Fern­seh­zu­schauer allein in Deutsch­land) und ver­an­kert den Film genera­ti­ons­über­grei­fend im öffent­li­chen Bewusst­sein sowohl in Deutsch­land, als auch in Frank­reich aber vor allem in Eng­land, wo die BBC Zuschau­er­re­korde ver­zeich­net. Vor dem Erfolg stan­den stra­pa­ziöse Dreharbeiten.

Grund­lage der Pro­duk­tion ist der Roman eines Zeit­zeu­gens. 1973 ver­öf­fent­licht der ehe­ma­lige Kriegs­be­richt­erstat­ter Lothar‐Günther Buch­heim sein Buch DAS BOOT, auf Grund­lage sei­ner Kriegs­er­fah­run­gen auf der 7. Feind­fahrt der U 96 im Jahre 1941. Sein reflek­tie­ren­des Buch ent­wi­ckelt sich zu einem inter­na­tio­na­len Best­sel­ler. 1976 sichern sich die Bava­ria Stu­dios, damals die größ­ten Film­stu­dios West­deutsch­lands, die Ver­fil­mungs­rechte. Ein Hol­ly­wood Block­bus­ter soll ent­ste­hen – als deutsch‐amerikanische Pro­duk­tion mit Star­be­set­zung. So wird mit Robert Red­ford und Paul New­man geplant. Ohne Dreh­buch wer­den direkt ein Außen‐ und Innen­boot in Ori­gi­nal­größe nach­ge­baut. Kos­ten­punkt drei Mil­lio­nen DM. Doch Buch­heim legt gegen zwei Dreh­bü­cher ein Veto ein, sie seien zu cli­chée­haft, maß­los über­trie­ben. Die Ame­ri­ka­ner stei­gen aus der geplan­ten Spielfilm‐Produktion „Das Boot“ aus. Die Kulis­sen ros­ten unge­nutzt auf dem Studio-Gelände vor sich hin.

Erst als ein neuer Stu­dio­chef kommt, wird die Idee wie­der­be­lebt. Der damals natio­nal gefei­erte aber inter­na­tio­nal unbe­kannte Wolf­gang Peter­sen soll das Ruder über­neh­men, er schreibt ein Dreh­buch und über­nimmt die Regie. Peter­sens Dreh­buch zeigt, was Krieg bedeu­tet und wie er die Men­schen ver­än­dert. Er will einen authen­ti­schen Kriegs­film aus deut­scher Pro­duk­tion gestal­ten. Es wird ein Mam­mut­pro­jekt geplant, nie wurde so viel Geld in Deutsch­land für einen Film in die Hand genom­men. Weg vom Autoren­kino hin zum gro­ßen inter­na­tio­nal wahr­ge­nom­me­nen handwerklich‐perfekten Block­bus­ter. Doch die Hand­lung ist gar nicht Block­bus­ter geeig­net: ein rei­ner Män­ner­film, weder Lie­bes­ge­schichte noch Hap­py­end, dafür umso mehr emotional‐nahbare Nazis. Der Anspruch an Rea­lis­mus und Authen­ti­zi­tät ist hoch: auch bei der Aus­wahl der Schau­spie­ler. Für die­sen damals teu­ers­ten deut­schen Film mit geschätz­ten Gesamt­kos­ten von 30 Mil­lio­nen DM soll auf junge und unbe­kannte Schau­spie­ler zurück­ge­grif­fen wer­den. Echte Typen mit regio­na­len Cha­rak­te­ris­ti­ken und Dia­lek­ten, spe­zi­el­len und beson­de­ren Phy­sio­gno­mien wer­den gesucht. Viele Schau­spie­ler aus dem Cast von „Das Boot“ erle­ben einen bedeu­ten­den Kar­rie­re­sprung und gehö­ren bald zu den prä­gends­ten Ver­tre­tern der deut­schen Film‐ und Fern­seh­land­schaft: Jan Fed­der, Mar­tin Sem­mel­rogge, Uwe Och­sen­knecht, Heinz Hoe­nig, Claude‐Oliver Rudolph, Ralf Rich­ter, Klaus Wennemann.

Ein Film der Super­la­tive in Deutsch­land. Für die deut­sche Presse ein gefun­de­nes Fres­sen. Schon die Dreh­ar­bei­ten wer­den von einem gro­ßen Medi­en­echo beglei­tet. Nicht zuletzt immer wie­der ange­feu­ert von der Kri­tik des Buch­au­tors Lothar‐Günther Buch­heim. Als dann bei Dreh­ar­bei­ten im fran­zö­si­schen La Rochelle das Kulissen‐U‐Boot aus­ein­an­der­bricht und sinkt, steht die Pro­duk­tion ein wei­te­res Mal vor dem Aus. Doch Peter­sen, die Bava­ria und der Cast behal­ten die Ner­ven und brin­gen nach einer wei­te­ren Pro­duk­ti­ons­pause die Dreh­ar­bei­ten zu Ende.

1981 fei­ert der Film Pre­miere. Die deut­sche Presse steht ihm kri­tisch gegen­über. Ent­we­der wird der Film als kriegs­ver­herr­li­chend ange­pran­gert oder aus der genau ande­ren Rich­tung als Schän­dung der ehren­haf­ten deut­schen Mari­ne­sol­da­ten hin­ge­stellt. So fun­giert diese Pro­duk­tion auch als Spie­gel­bild der deut­schen Gesell­schaft in den frü­hen 80er Jah­ren. Doch die inter­na­tio­nale Rezep­tion ist über­wäl­ti­gend: die Mach­art des Films gewür­digt — ein bestim­men­der Aspekt, der in den deut­schen Rezen­sio­nen auf­grund des ideo­lo­gi­schen Dis­kurs unter­ging. Sechs Oscar‐Nominierungen besie­geln den Welt­erfolg, dar­un­ter die Königsdisziplinen: beste Regie, bes­ter Schnitt, beste Kamera, bes­tes adap­tier­tes Dreh­buch. Etwas das nie wie­der eine deut­sche Pro­duk­tion schaffte. In Deutsch­land wird das Boot erst durch Fern­seh­aus­strah­lun­gen als Serie zum Mythos und ein „Director‘s Cut“ belebt das Boot in den 1990ern wie­der und macht es zur Legende.

Die Pro­duk­tion ist in jeder Hin­sicht ein zeit­lo­ser und extrem fes­seln­der moder­ner Klas­si­ker, der seit nun­mehr vier­zig Jah­ren Bestand hat: ein Mei­len­stein der Film­ge­schichte. Den bei­den Autoren Georg Grill und Sven Fem­er­ling gelingt eine beein­dru­ckende Archiv­col­lage. Sie speist sich aus mehr als acht­zig unver­öf­fent­lich­ten Inter­views, die sie in den letz­ten zehn Jah­ren mit allen Betei­lig­ten geführt haben. Für Fans wie Erst­se­her von DAS BOOT erschlie­ßen sich unbe­kannte Hin­ter­gründe, Anek­do­ten und Emo­tio­nen die­ses „Welt­erfolgs aus der Tiefe“.

© Arte G.E.I.E /Bremedia